Der Kernbeißer
Inhaltsangabe
Für meinen neuen Roman habe ich als Protagonistin eine Frau gewählt, die sich mit Anfang 50 noch mitten im Leben fühlt. Ohne Vorwarnung wird sie herausgerissen und mit einer lebensgefährlichen Krankheit, einem bösartigen Krebs, konfrontiert. Sie ist Ethnologin und hat ihr Leben abenteuerlichen Expeditionen in Wildnisgebiete gewidmet. Neben den Forschungsberichten schreibt sie Bücher über ihre Erlebnisse und hält Vorträge. Lebensbedrohliche Situationen in Wüsten, in Urwäldern und im Hochgebirge sind ihr vertraut. Sie ist geübt, Gefahren abzuschätzen und Risiken abzuwägen; von Kindheit an liebt sie Herausforderungen: „Wer auf hohe Berge steigt, muss damit rechnen, dabei umzukommen“, ist eine ihrer Antworten, wenn man sie fragt, ob sie denn gar keine Angst habe.
Wird sie auch die neue Herausforderung meistern? Ein Risiko in der Natur einzugehen, ist völlig anders, als damit konfrontiert zu werden, zu sterben. Wie verhält sich die Kämpferin, die alles in ihrem Leben in die eigenen Hände nahm, nie Hilfe gesucht hat, Grenzen überschritt und Wege ging, die andere nicht wagten, wie begegnet sie der Krebserkrankung?
Sie macht es auf die ihr eigene Weise. Da sie selbst keinen Einfluss auf die Krankheit hat, rechnet sie nicht damit zu überleben. Sie will aber die bleiben, die sie war, bis zum Ende. Sie nimmt Chemotherapie, Operation und Bestrahlung auf sich. Erstmals hat sie, die stets vorwärts stürmte, Zeit über sich nachzudenken. Die Behandlungen geben ihr Gelegenheit, auf ihr Leben zurückzuschauen. Die Kindheit mit drei Geschwistern in der DDR, ihre Sehnsucht nach der Ferne und ihre Flucht in die Freiheit. Der schwierige Neubeginn in Westdeutschland und der Kampf sich als Frau in der Wissenschaft durchzusetzen, die schmerzhafte Trennung von ihrem Partner, einem Kameramann, und schließlich ihr steiniger Weg zu einer erfolgreichen Schriftstellerin. Die Krankheit scheint alles Erreichte zu entwerten. Soll sie loslassen, sich aufgeben oder doch gegen den Krebs ankämpfen? Wie kämpft man gegen einen Gegner, der unsichtbar ist, der sich nicht stellt und nicht greifbar ist?
Während sie immer schwächer wird, fragt sie sich: Was ist Leben? Was ist der Tod? Was ist Schicksal, ist es vorbestimmt? Kann man es beeinflussen? Hat man im Leben eine Wahl?
Die Krankheit fühlt sich für sie an, wie ein langsamer Abschied von allem was ihr wichtig ist. Nach einem Jahr ist sie körperlich geheilt, doch die Sicherheit, sich selber vertrauen zu können, hat sie verloren. Wieder, wie schon in der Kindheit, ist es die Natur, die ihr neuen Lebensmut schenkt. Sie unternimmt weite Wanderungen im Karwendelgebirge. Da geschieht etwas in ihrem Leben, womit sie nicht gerechnet hatte: sie verliebt sich. Und es fühlt sich an, als sei es das erste Mal. Sie findet den Partner, auf den sie ein ganzes Leben gewartet hat. Er ist kein Abenteuer, wie sie selbst, nach einem solchen hat sie stets Ausschau gehalten. Scheinbar ist er das Gegenteil von ihr. Sein Lebensziel war es nicht, hinaus in die Welt zu ziehen und diese zu erforschen, sondern sein Ziel war ein Familienleben. Er liebt Zahlen und sie Worte, und doch ist es die „große Liebe“. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich, obwohl sie nie glücklich sein wollte. Sie war der Meinung, das würde sie nur von ihren Zielen ablenken. Durch ihn lernt sie, es ist verdammt gut, glücklich zu sein.
Carmen Rohrbach, Mai 2026


